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Neues Zuhause für die Kieler Evolutionsforschung

An der Kieler Universit?t soll ein neues Geb?ude für die angewandte Evolutionsforschung entstehen

Erneut gro?er Erfolg für den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein: Der Wissenschaftsrat (WR) empfiehlt den Bau des neuen Forschungszentrums ?Center for Fundamental Research in Translational Evolutionary Biology“ (CeTEB, Deutsch: Zentrum für Grundlagenforschung in der Translationalen Evolutionsbiologie). Nach der Zusage der Landesregierung empfiehlt der WR den Kieler Antrag zur F?rderung als ?besonders herausragendes Vorhaben in dieser F?rderphase“, wie er am vergangenen Freitag bekannt gab. Damit k?nnten bis zu 58 Millionen Euro jeweils zur H?lfte von Bund und Land in den Geb?udeneubau flie?en. Die F?rderzusage muss Ende Juni noch final durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) best?tigt werden. Danach kann der Bau eines hochmodernen neuen Forschungsgeb?udes an der Christian-Albrechts-Universit?t zu Kiel (CAU) mit Kapazit?ten für rund 140 Forschende und Mitarbeitende samt umfangreicher neuer Forschungsinfrastrukturen starten.

Das knapp 5.000 Quadratmeter gro?e Geb?ude soll dann innerhalb der n?chsten fünf Jahre auf dem Gel?nde des Bremerskamps in unmittelbarer N?he zum Biologiezentrum der CAU entstehen. Es stellt den ersten Baustein des neuen Wissensquartiers Kiel.Science.City dar, das das Land Schleswig-Holstein, die CAU und die Landeshauptstadt Kiel seit einigen Jahren vorantreiben. Bauherr für das CeTEB ist das Land Schleswig-Holstein, vertreten durch das Geb?udemanagement Schleswig-Holstein A?R (GMSH). Der Forschungsbau wird den evolutionswissenschaftlichen Forschenden an der Kieler Universit?t und ihren Partnerinstitutionen in der Region ein neues Zuhause geben. Im Fokus der Forschung stehen transdisziplin?re Vorhaben, insbesondere die Anwendung evolutionsbasierter Konzepte zur L?sung gesellschaftlicher Herausforderungen in Umwelt, Gesundheit und Ern?hrung.

Wissenschaftsministerin Karin Prien lobte: ?Der innovative Forschungsansatz des CeTEB geh?rt zu den beiden besten bundesweiten Vorhaben, die vom Wissenschaftsrat zur F?rderung empfohlen werden. Das ist eine gro?artige Best?tigung für alle Beteiligten, die in den vergangenen Jahren daran mitgearbeitet haben, diesen zukunftsweisenden und gesellschaftlich bedeutenden Forschungsschwerpunkt aufzubauen und weiter zu entwickeln.“ Die F?rderung durch den Bund erm?gliche es nun, diese innovative und exzellente Forschung in Schleswig-Holstein weiter gezielt zu unterstützen.

Kiels Unipr?sident Professor Lutz Kipp sprach von einem weichenstellenden F?rdererfolg der Kieler Lebenswissenschaften: ?In den vergangenen Jahren haben wir bereits mehr als 50 Millionen Euro F?rdermittel in evolutionsbezogene Forschungsvorhaben an der CAU investieren k?nnen, von einem Graduiertenkolleg über einen Sonderforschungsbereich bis hin zu weiteren Einzelforschungsprojekten. Die Kieler Evolutionsforschung ist damit zu einem der prominentesten und erfolgreichsten Bereiche der lebenswissenschaftlichen Forschung an der CAU geworden. Mit dem CeTEB-Neubau folgt nun der n?chste logische Schritt. Hier werden Evolutionsforscherinnen und -forscher noch weiter zusammenrücken, Synergieeffekte werden verst?rkt. Gleichzeitig ist der beeindruckende Forschungsneubau die erste Bund-L?nder-Finanzierung nach Art. 91b für einen Neubau am CAU-Hauptcampus und die erste Umsetzung aus dem Bremerskamp-Rahmenplan.“ Dieser werde Anfang Mai der ?ffentlichkeit vorgestellt, kündigte Kipp an.

Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf K?mpfer sagt: ?Der Neubau für die Kieler Evolutionsforschung ist ein Meilenstein in der Campus- und Stadtentwicklung auf dem Weg zu Kiel.Science.City. Die Vernetzung von Wissen, Wirtschaft und Gesellschaft ist wichtig und st?rkt Kiel als Wissenschaftsstandort. Ich freue mich sehr über diese Entwicklung.“

 ?Wir sind mehr als dankbar für die Empfehlung des WR. Sie bedeutet eine wichtige Best?tigung unseres Konzepts der Translationalen Evolutionsbiologie, für das die Kieler Region künftig als international sichtbarer Knotenpunkt ein Vorbild liefern wird“, betont CAU-Evolutionsbiologe Professor Hinrich Schulenburg, der die CeTEB-Beantragung im Rahmen des CAU-Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science (KLS) gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen vorangetrieben hat.

?Ich gratuliere der CAU zur F?rderempfehlung des Wissenschaftsrats“, sagt Frank Eisoldt, Gesch?ftsführer der GMSH. ?Der CeTEB-Neubau ist der Auftakt für das gr??te st?dtebauliche Entwicklungsvorhaben auf dem Uni-Campus in den n?chsten 10 Jahren. Als Bauherr des Landes Schleswig-Holstein überführen wir den mit der CAU und der Stadt Kiel gemeinsam entwickelten Rahmenplan in einen Bebauungsplan für das neue Wissenschaftsquartier Kiel.Science.City am Bremerskamp. ?kologische Akzente setzt das markante CeTEB-Geb?ude mit seiner Grünfassade und der hochmodernen Geb?udetechnik.“

Translationale Evolutionsforschung zur L?sung gesellschaftlicher Herausforderungen

Zentrales Anliegen des CeTEB wird es sein, Erkenntnisse aus der Evolutionsbiologie zu nutzen, um nachhaltige Strategien zur Lo?sung aktueller angewandter Probleme in der Medizin und Nahrungsmittelproduktion zu entwickeln. Pr?gnante Beispiele für die Bedeutung evolutiver Prozesse finden sich bei Krankheitserregern wie Viren oder auch Antibiotika-resistente bakterielle Erreger, die sich mit enormer Geschwindigkeit ver?ndern k?nnen. Weitere Beispiele liefern das vermehrte Auftreten von sogenannten Zivilisationskrankheiten oder auch die schnelle Ausbreitung von Pestizidresistenzen bei Pflanzensch?dlingen in der Landwirtschaft. Evolutive Prozesse spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser und anderer Probleme, werden jedoch bisher bei der Entwicklung von L?sungsstrategien so gut wie gar nicht berücksichtigt – mit zum Teil gravierenden Folgen. ?Eine Antibiotikabehandlung, die die evolutiven Ver?nderungen der Keime nicht im Blick hat, kann im schlimmsten Fall die Ausbreitung von multiplen Resistenzen anfeuern – anstatt sie zu verhindern“, so Schulenburg, künftiger Sprecher des CeTEB. ?Diese Gefahr versuchen wir mit unserem Ansatz der Translationalen Evolutionsbiologie zu verringern.“

Das neuartige Feld derTranslationalen Evolutionsbiologie steht im Zentrum des CeTEB-Forschungszentrums an der CAU. Die Nutzung evolutionsbiologischer Erkenntnisse für nachhaltige Lo?sungsansa?tze wird dabei in zwei Schritten erfolgen: Zun?chst geht es um eine übertragung der Konzepte und Methoden aus der evolutionsbiologischen Grundlagenforschung auf angewandte Themenfelder. Darauf aufbauend werden neue Eingriffe in das jeweilige Problemgebiet entwickelt. Hierzu geh?ren zum Beispiel neuartige evolutionsbasierte Antibiotikatherapien, eine evolutionsbasierte Behandlung des menschlichen Darmmikrobioms oder ge?nderte Anbau- und Schutzstrategien im Pflanzenbau.

?Wir wollen im CeTEB künftig die Erforschung der Beziehungen von Nutzpflanzen und Pflanzensch?dlingen weiter vorantreiben. Damit k?nnen wir dazu beitragen, neue evolutionsbasierte Pflanzenschutzstrategien zu entwickeln und so die Ern?hrungssicherheit nachhaltig gew?hrleisten“, betont Professorin Eva Stukenbrock, CAU-Umweltgenomikerin und künftige CeTEB-Vizesprecherin.

?Das Darmmikrobiom stellt einen weiteren Schwerpunkt unserer Forschung dar, das in seinen Eigenschaften von evolutiven und ?kologischen Prozessen gepr?gt wird und gleichzeitig gro?es Potenzial zur Behandlung chronischer Entzündungserkrankungen liefert, wie wir auch im Rahmen des Exzellenzclusters ?Precision Medicine in Chronic Inflammation’ untersuchen“, unterstreicht Professor John Baines vom CAU-Institut für Experimentelle Medizin und künftiges CeTEB-Vorstandsmitglied.

Ein Kieler Haus der Evolution

Das vom Stuttgarter Büro hammeskrause architekten bda geplante Forschungsgeb?ude wird auf vier Etagen zun?chst zw?lf Arbeitsgruppen beherbergen und befindet sich in direkter Nachbarschaft zu zentralen Partnerinstitutionen auf dem CAU-Campus. Das nachhaltige Geb?ude mit einem flexiblen Raum- und Nutzungskonzept erm?glicht eine langfristige Weiterentwicklung für neue Forschungsprojekte und -gruppen, je nach Situation eingeworbener Forschungsmittel. Zentraler Aspekt sind dabei die zusammenh?ngenden, modular aufgebauten Laborbereiche. Dies erlaubt eine flexible Verteilung und einfache Anpassung an die jeweiligen Nutzungen je nach Ausrichtung der Forschungsarbeiten. Zudem sollen im CeTEB verschiedene vorhandene und neue kostenintensive Forschungsgera?te fu?r die gemeinsame Nutzung integriert werden. Neben der baulichen und technischen Gestaltung umfasst das CeTEB-Konzept zudem neuartige Strukturen in der Selbstverwaltung der beteiligten Forschenden und innovative Konzepte für die Nachwuchsf?rderung.

Kiel als bundesweiter Hotspot der Evolutionsforschung

Mit dem CeTEB kann die CAU nun auch r?umlich und strukturell ihre über Jahre gewachsene Führungsrolle als Schwerpunktstandort in der Evolutionsforschung festigen. Zahlreiche bestehende und perspektivisch auch neue Forschungsverbu?nde mit evolution?rem Bezug werden im neuen Zentrum zusammengeführt. Dazu z?hlen unter anderem das DFG-Graduiertenkolleg ?Translational Evolutionary Research“ (GRK 2501), das ?DFG-Clinician Scientist Program in Evolutionary Medicine“ (CSEM), der Leibniz Science Campus ?Evolutionary Medicine of the Lung“ (EvoLUNG) und der Ende 2019 erfolgreich verl?ngerte DFG-Sonderforschungsbereich ?Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen (SFB 1182). Das CeTEB wird auch wichtige Verbindungen zu den zwei Exzellenzclustern an der CAU schaffen, den Clustern ?Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) und ?ROOTS“. Die erfolgreiche Einwerbung des CeTEB-Forschungsneubaus wird somit eine institutionelle Basis für die Weiterentwicklung evolutionsbiologischer Forschungsarbeit in der Region mit gro?er nationaler wie internationaler Sichtbarkeit schaffen.

Visualisierung des Neubaus
? hammeskrause architekten bda

So wird das geplante CeTEB-Forschungsgeb?ude der Kieler Universit?t auf dem Gel?nde des Bremerskamps in Zukunft aussehen.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung des Wissenschaftsrats:
www.wissenschaftsrat.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/PM_2020/pm_1220.html

Forschungszentrum ?Kiel Evolution Center“ (KEC), CAU:
www.kec.uni-kiel.de

Forschungsschwerpunkt ?Kiel Life Science“ (KLS), CAU:
www.kls.uni-kiel.de

Graduiertenkolleg ?Translational Evolutionary Research“ (GRK 2501), CAU: gepris.dfg.de/gepris/projekt/400993799?context=projekt&task=showDetail&id=400993799&

Sonderforschungsbereich ?Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ (SFB 1182), CAU: www.metaorganism-research.com

Clinician Scientist Program in Evolutionary Medicine (CSEM), CAU / UKSH:
https://www.uksh.de/evolutionary_medicine.html

Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie (MPI-EB), Pl?n:
www.evolbio.mpg.de

Leibniz ScienceCampus for Evolutionary Medicine of the Lung (EvoLUNG):
evolung.fz-borstel.de

Kontakt:

Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher (des.) ?Center for Fundamental Research in Translational Evolutionary Biology“ (CeTEB), CAU
0431/880-4141
[email protected]

Christian Urban
Referent für Wissenschaftskommunikation