Die Christian-Albrechts-Universit?t zu Kiel

Von der Landesschule zum internationalen Forschungszentrum

PD Dr. Carsten Jahnke
 
Als am 5. Oktober 1665 die Universit?t Kiel feierlich eingeweiht wurde, war es zwar der Wunsch der Kieler Stadtv?ter gewesen, die Wirtschaft der Stadt dauerhaft anzukurbeln, doch dass die Universit?t eines Tages zum gr??ten Arbeitgeber werden sollte - das war wirklich nicht abzusehen. Zwei Entwicklungen hatten die Gründung der Universit?t beeinflusst: Zum einen war der Bedarf an gut ausgebildeten Priestern mit der Reformation drastisch angestiegen und zum Zweiten dr?ngten mehr und mehr gut ausgebildete Bürgerliche in die Verwaltung, wo sie als ?Beamte“ wichtige Aufgaben übernahmen. Die Herzogtümer mussten dabei ihr Personal von ausl?ndischen Universit?ten beziehen, teils aus Kopenhagen, teils aus Rostock und Greifswald oder von den international renommierten Universit?ten wie Paris, Leiden oder Bologna. Aus diesem Grunde hatte schon Bugenhagen in der Kirchenordnung von 1542/1544 die Gründung einer eigenen Lehranstalt angeregt. Aber die Landesteilung von 1544 verhinderte eine effektive Umsetzung des Planes. Im gottorfischen Teil wurde die Schleswiger Domschule - wenn auch ohne Erfolg - zu einer Art Universit?t, einem ?Paedagogicum publicum“, ausgebaut. Herzog Hans der ?ltere wandelte in seinem Landesteil 1566 das Kloster Bordesholm zu einer ?hnlichen Lehranstalt um. 1580 starb Herzog Hans, und Bordesholm fiel an die Gottorfer, die nun zwei h?here Schulen besa?en, sich aber nur eine leisten konnten. Das Paedagogicum publicum in Schleswig schlief ein, wohingegen Bordesholm weiter gef?rdert wurde.
 
Am Ende des 16. Jahrhunderts tauchten dann erstmals Pl?ne auf, in den Herzogtümern eine eigene, ?richtige? Universit?t zu gründen. Doch die Kriege zu Beginn des 17. Jahrhunderts und die Rivalit?t zwischen der k?niglichen und der herzoglichen Linie lie?en die Pl?ne scheitern. In der selben Zeit entwickelte sich Gottorf zu einem geistigen und kulturellen Zentrum Norddeutschlands. In dieser Umgebung war es nur natürlich, sich um eine Universit?t zu kümmern. Seit 1640 bemühte sich Herzog Friedrich III beim Kaiser um ein Privileg, das ihm die Einrichtung einer Universit?t genehmigen sollte, was 1652 ausgestellt wurde. Doch die St?nde lehnten die Gründung aus Kostengründen ab, das Projekt wurde auf Eis gelegt.

Gründungsschatulle

Das Siegel der Universit?t

Die Universit?t Kiel tr?gt ihren Namen nach ihrem Gründer, dem Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf, der sie im Jahre 1665 – nur siebzehn Jahre nach dem Ende des Drei?igj?hrigen Krieges – ins Leben rief. An diese Zeit erinnert auch ihr Siegel mit der Unterschrift ?Pax Optima Rerum“ (Frieden ist das h?chste der Güter).

Mehr zum Siegel der CAU

Feierliche Gründung im Oktober 1665

Friedrich III. nahm den Plan nicht wieder auf, verpflichtete aber seinen Sohn, Christian Albrecht, eine eigene Universit?t ins Leben zu rufen. Nach dem Ende der gro?en D?nisch-Schwedisch-Schleswig-Holsteinischen Auseinandersetzung 1660 war die Stunde gekommen. Christian Albrecht lie? die Pl?ne durch seinen Kanzler Johan Adolf von Kielmannseck in die Tat umsetzen. Als Standorte wurden Schleswig oder Kiel ins Auge gefasst, wobei der Rat der Stadt Kiel das bessere Angebot machen konnte. Gegen den Willen der Bürgerschaft, die den verderblichen Einfluss der Studenten auf die Bev?lkerung fürchtete, stellte der Rat der Universit?t das ehemalige Franziskanerkloster kostenlos zur Verfügung. Am 5. Oktober 1665 wurde die neue Universit?t feierlich er?ffnet. Die wirtschaftliche Grundlage bildeten die Einnahmen aus der Bordesholmer Schule, die mit Kiel verschmolzen wurde, der Unterricht der 18 Professoren in den F?chern Theologie, Jura, Medizin und den freien Künsten fand im Franziskanerkloster statt, die Bücher stammten aus der Bordesholmer Bibliothek und aus Gottorf und die Insignien der Universit?t, das Zepter und der Mantel des Prorektors, die Siegel usw. wurden vom Herzog gestiftet, der zugleich das Rektorenamt übernahm.
 
Die Universit?t Kiel bildete, anders als heute, einen eigenen Rechtsbereich in der Stadt und auch im Land. In der Stadt besa? die Universit?t eine eigene Gerichtsbarkeit über die Professoren und die Studenten, diese zahlten auch keine Steuern und Abgaben. Im Land war die Universit?t als ?Stand“ auf dem Landtag vertreten, stand damit gleichberechtigt neben den adligen Stiften, dem Adel und der st?dtischen Bürgerschaft.

Christian Albrecht Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf (1641-1695), um 1665.

Gem?lde von Jürgen Ovens. ?l auf Leinwand, 215 x 165 cm, Kunsthalle zu Kiel, Inv. CAU 68 (1665 der Christian-Albrechts-Universit?t geschenkt)

Aufstieg und Ausbau

Am 22. Januar 1666 nahm die Universit?t die ersten Doktorprüfungen ab und hatte damit ihren Betrieb vollst?ndig aufgenommen. In den n?chsten einhundert Jahren dümpelte die Universit?t aber vor sich hin. Die zum Teil kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Gottorfern und den K?nigen von D?nemark und die best?ndige Geldnot führten zu einem Verfall der Einrichtung. Erst unter der Regierung der russischen Zarin Katharina erwachte die Universit?t zu neuem Leben. Ihr Verwalter in den Herzogtümern, Caspar von Saldern, nahm sich intensiv der Universit?t an. Sie wurde nach innen reformiert und erhielt nach au?en einen neuen Mittelpunkt, ein eigenes Geb?ude. Die neue Universit?t wurde direkt am Schloss in der Kattenstra?e (dort, wo heute die Musikhalle des Schlosses steht) errichtet, wobei die Pl?ne von Ernst Georg Sonnin, dem Erbauer des Hamburger Michel, stammten. Gleichzeitig wurden zukünftige Beamte in den Herzog-tümern verpflichtet, mindestens zwei Jahre in Kiel zu studieren (Bienniumsregel), womit die Auslastung der Universit?t gesichert wurde.
 
Der Glanz und Ruhm der Kieler Universit?t setzte sich auch nach der Vereinigung der Herzogtümer 1773 fort. Kiel war die n?rdlichste deutsche und zugleich auch die südlichste skandinavische Universit?t. Sie war in vielen Bereichen, so in der Medizin und Geburtshilfe, aber auch in den Geisteswissenschaften, z.B. mit den Professoren von Treitschke, Dahlmann und Waitz, führend und ein kulturelles Zentrum für die Herzogtümer und die K?nigreiche D?nemark und Norwegen. Gleichzeitig gingen von ihr wichtige Impulse, vor allem in der nationalen Frage um 1848, und politische Ideen aus.
 
Mit der Annexion der Herzogtümer durch Preu?en ?nderten sich die Verh?ltnisse in Kiel rapide. Die Stellung der Universit?t wurde der der anderen preu?ischen Universit?ten angeglichen. Am 28. April wurde die Steuerfreiheit der Dozenten, am 26. Juni 1867 die eigene Gerichtsbarkeit der Universit?t aufgehoben, am 17. September die Bienniumsregel abgeschafft. Kiel war eine von vielen preu?ischen Universit?ten. Nach Zeiten der Stagnation in den ersten preu?ischen Jahren, nahm die Zahl der Studenten seit den 1870er Jahren erheblich zu. Die alten Geb?ude an der Kattenstra?e reichten nicht mehr aus. Die preu?ische Regierung sah sich zu einem Neubau gen?tigt, der durch die Berliner Architekten Gropius und Schmieden entworfen wurde. Das Hauptgeb?ude der Universit?t lag am Ende des Schlossgartens, daneben wurden die neue Universit?tsbibliothek und das Zoologische Museum errichtet. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche weitere Geb?ude, vor allem für die Naturwissenschaften und die Medizin gebaut.

Gro?e Forscherinnen und Forscher der CAU

Namhafte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben in den letzten drei Jahrhunderten an der Christian- Albrechts-Universit?t zu Kiel gelehrt, geforscht und Herausragendes geleistet. Eine Auswahl:

Gro?e Forscherinnen und Forscher von der F?rde
Nobelpreistr?ger der CAU

 

Zeit der Krisen

Die Umw?lzungen in Deutschland im 20. Jahrhundert erfassten die Kieler Universit?t wie alle anderen Universit?ten auch. Sie wandelte sich von einer kaiserlichen Universit?t über die Zeiten der Weimarer Republik hin zu einer streng nationalsozialistisch ausgerichteten Lehranstalt, aus der die jüdischen Mitglieder schon sehr frühzeitig und rüde vertrieben wurden, was mit erheblichen Qualit?tseinbu?en in Lehre und Forschung verbunden war.
 
Der Zweite Weltkrieg bedeutete beinahe das Aus für die Kieler Universit?t. Die meisten Universit?tsgeb?ude lagen in der Innenstadt und fielen dem alliierten Bombardement zum Opfer. Besonders schlimm traf es die Universit?tsbibliothek, die 1942 von einer Brandbombe getroffen wurde und einen Gro?teil ihrer Best?nde verlor. Aber auch das neue und das alte Hauptgeb?ude wurden zerst?rt, ebenso ein Gro?teil der Kliniken und Institute. In dieser Situation beschloss die Universit?tsleitung 1945, die Hochschule nach Schleswig zu verlegen. Einzig dem Kieler Geologen Karl Gripp und einer Gruppe beherzter Universit?tsmediziner ist es zu verdanken, dass in Kiel neue R?ume gefunden wurden. Gripp konnte die Engl?nder dazu überreden, die Geb?ude der ELAC am Westring, einer ehemaligen Waffenfabrik, der Universit?t zur Verfügung zu stellen. Hier und auf Schiffen auf der F?rde begann am 17. November 1945 wieder der Lehrbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg.
 

Die Universit?t Kiel und der National-sozialismus

Mit der Machtergreifung 1933 begann das NS-Regime die deutschen Universit?ten m?glichst rasch gleichzuschalten. In Kiel fand der Prozess der Gleichschaltung schnell und ohne gr??eren Widerstand statt. Von freier Wissenschaft konnte fortan keine Rede mehr sein.

Die Universit?t Kiel und der Nationalsozialismus

Kieler Gelehrtenverzeichnis

Expansion zur Volluniversit?t

Seit 1945 expandiert die Christian-Albrechts-Universit?t. Nach Umbauten auf dem ELAC-Gel?nde wurden in den 60er Jahren neue Geb?ude am Westring errichtet: 1962 die Universit?tsbibliothek, 1965 die Universit?tskirche, 1969 das neue Auditorium Maximum. Die Universit?t hatte sich am westlichen Stadtrand Kiels als Campusuniversit?t neu etabliert.
 
Die Studentenunruhen der sp?ten 60er Jahre hatten natürlich auch ihre Auswirkungen auf die CAU. Streiks, Besetzungen und Proteste geh?rten zum Alltag der Zeit. Als Folge wurde die alte Universit?tsstruktur modernisiert, aber es wurden auch alle alten Traditionen gekappt. Waren 1945/46 gut 2.000 Studierende in Kiel eingeschrieben, waren es Mitte der 70er Jahre schon 10.000, Anfang der 80er 15.000, und heute sind es 25.000 Menschen, die in Kiel studieren.
 
Die Universit?t expandierte in allen Gebieten. Waren es am Anfang vier Fakult?ten, so sind es heute acht, zu den traditionellen kamen neue, wie die Technische Fakult?t, hinzu. Auch die Geb?ude am Westring wurden bald zu klein. 1972 wurden die ersten H?user an der Olshausenstra?e bezogen, es kamen die Sportst?tten auf dem Campus und die Geb?ude der Technischen Fakult?t in Kiel Gaarden hinzu. 2001 wurde eine neue Universit?tsbibliothek in der Leibnizstra?e eingeweiht.
 
In den fast 350 Jahren ihres Bestehens hat die Christian-Albrechts-Universit?t in Kiel in vielen Bereichen Impulse und Marksteine gesetzt. Das wird auch bei den Nobelpreistr?gern deutlich. Unter den zahlreichen Tr?gern dieser Auszeichnung lehrten unter anderen Philipp Lenard (Physik 1905), Max Planck (Physik 1918) oder Otto Diels (Chemie 1950) in Kiel. Die CAU hat sich in ihrer Geschichte von einer regionalen Lehranstalt zu einer international anerkannten Universit?t entwickelt.
 
Zum Lesen empfohlen:

  • Carl Rodenberg/Volquart Pauls, Die Anf?nge der Christian-Albrechts-Universit?t Kiel, Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Bd. 31, MNS 1955.
  • Karl Jordan (Hrsg.), Geschichte der Christian-Albrechts-Universit?t Kiel, 1665-1965, mehrere B?nde, Neumünster 1965.